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ATEMBERAUBEND: Christos und Jeanne-Claudes TRIUMPHBOGEN

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Christos und Jean-Claudes Triumphbogen

Christo & Jeanne-Claude haben den Pariser Triumphbogen eingepackt und ein Monument erschaffen, das ins kollektive Gedächtnis einziehen wird. Einmal mehr zeigen sie, was Installationskunst sein kann, wenn man sie lässt: Atemberaubend, eigenartig und glorreich.

Christo & Jeanne-Claude: Einfach LANGWEILIG?

Als Kunsthistorikerin hatte Christo mich bisher kaum beeindruckt. Recht einfach gestrickt, etwas langweilig und äußert repetitiv – das war mein Eindruck ihrer installativen Kunst des Einpackens bekannter Denkmale.

Très IMPRESSIONNANT: Die Kunst der INSTALLATION

Mein Eindruck ihrer Werke hatte sich bisher allerdings Werke auf Dias gestützt, wie das so oft der Fall am Wiener Institut für Kunstgeschichte ist. Als ich jedoch vor ein paar Tagen die Metrotreppen der Station Charles-de-Gaulle-Étoile hochstieg da blieb mir kurz die Luft weg. Christos & Jeanne-Claudes Triumphbogen erstrahlte hell-silbrig in der Pariser Vormittagssonne. Verhüllt und verpackt in unzählige Meter Stoff, befestigt durch ebenso unzählige Meter roten Seils. Und noch in aufsehenerregender Bearbeitung durch einige Arbeiter*innen an Seilen und auf Kränen.

Die Wirkung der AURA

Ich muss sagen: Selten habe ich meine Meinung über ein Werk so schnell geändert. Und selten ist mein Standpunkt durch die Präsenz des Werks – liebevoll und demütig auch „Aura“ von unsereins genannt – von einem Extrem ins andere gewandert.

Der Anblick von Christos & Jeanne-Claudes Triumphbogen war atemberaubend eigenartig. Diese Verpackung in jenen Dimensionen in unmittelbarer Nähe zu sehen – das war schon was!

Christos und Jean-Claudes Triumphbogen / Straßenschild

Sechs JAHRZEHNTE

Der erste Entwurf zu L’ARC DE TRIOMPHE, WRAPPED entsteht bereits 1962 – als Fotomontage. Damals schon wissen Christo und Jeanne-Claude, dass sie den Triumphbogen einpacken wollen. 1988 entsteht eine weitere Collage mit demselben Plan. Doch erst während den Vorbereitungen zu einer großen, für 2020 geplanten, Ausstellung im Centre Georges Pompidou nimmt das Projekt realistische Züge an. 2019 erteilen Emmanuel Macron sowie das französische Centre des monuments nationaux Erlaubnis für das monumentale Projekt.

Eine holprige LAUFBAHN

Doch 2020 wartet mit einigen Überraschungen auf: Einerseits erschwert die Pandemie sämtliche Projekte, und vor allem solche in dieser Größenordnung. Andererseits verhindern Tierschützer das Projekt im Frühjahr, da es sich tatsächlich um die Nistzeit von Falken am Triumphbogen handelt. Doch selbst der Tod von Christo im Mai kann seine Vorhaben nicht verhindern: Er und seine Frau haben auf der Fortsetzung des Projekts durch ihr Team bestanden – somit wird mit Hochdruck an der Realisierung gearbeitet.

Drei MONATE Vorbereitung

Am 15. Juli 2021 startet das Set-up des Projekts vor Ort. Der Triumphbogen wird zunächst von einem Gerüst ummantelt, um alle architektonischen und skulpturalen Elemente zu schützen. Rund um die Uhr (die Arbeiter*innen sind 3 x 8 Stunden im Einsatz) wird innerhalb von drei Monaten der Triumphbogen eingepackt. 25.000 Quadratmeter silber-blauer Polypropylen (in Deutschland hergestellt, recyclebar) ummanteln den Bogen und werden dabei von 3000 Metern roten Seils fixiert. Finanziert wurde ALLES von der Estate of Christo V. Javacheff – die Realisierung kommt gänzlich ohne Subventionen der öffentlichen Hand aus, was gelinde gesagt unglaublich ist und ob der sicherlich horrenden Kosten großen Beifall verdient.

Make it SIMPLE, but SIGNIFICANT

Die Idee von Christos & Jeanne-Claudes Triumphbogen mag einfach sein – die Wirkung ist es nicht. Selten hat Installationskunst solch eine Wirkung entfalten können – ist sie doch oft auf die Räume einer Galerie oder Museums beschränkt. L’ARC DE TRIOMPHE, WRAPPED jedoch ist gekommen, um im kollektiven Gedächtnis zu bleiben, auch wenn das Projekt nur noch bis 3. Oktober 2021 zu sehen ist.

Christos und Jean-Claudes Triumphbogen / Blick von den Champs Elysées

Für Paris-Kurzentschlossene gibt es hier alle Besucher-Infos.

Wer es dieser Tage nicht nach Paris schafft, der kann den Live-Stream hier genießen.

Mehr Infos zum Projekt gibt es hier.

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